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aileenogrian.overblog.com

Autorin von Science Fiction und Fantasy

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Schule macht Spaß


„Mama, morgen mikroskopiere ich meine Wasserprobe. Ich habe vorhin aus dem Mühlenbachbach Wasser geholt“, sprudelte Jule hervor.
„Fein, Schatz, aber jetzt musst du endlich schlafen“, drängelte Melanie.
„Nur noch diese Seite, dann bin ich fertig. Das Buch ist gut, das haben wir in der Schule nicht. Da steht so viel über Wasserverschmutzung und das Leben im Wasser drinnen.“
„Das kannst du doch auch morgen noch lesen.“
„Aber Björn und Timo sind schon so weit. Die haben den pH-Wert des Wassers bestimmt und es auf Verunreinigungen untersucht. Timos Vater ist mit den Beiden extra am Sonntag noch zu zwei Nebenflüssen gefahren.“
„Das wird ja ein ganz tolles Referat.“
„Ja, unser Projekt ist super. Frau Wiese staunt auch, was wir schon alles wissen. Sina und Robert haben den Wasserverbrauch unserer Schule ermittelt und nach Sparmöglichkeiten gesucht. Die Beiden haben dabei ganz viel gerechnet. Robert hat mit Herrn Schneeberger dafür sogar ein Computerprogramm entwickelt.“
„Das klingt so, als würdest du gerne zur Schule gehen“, mischte sich Bernhard ein.
„Tu ich auch. Schule ist prima. Was sollte ich sonst den ganzen Tag machen? Wir haben immer so viel Spaß. Und unser Fußballclub gewinnt die Meisterschaft, uns fehlt nur noch ein Punkt.“
„Schön, dass Schule Spaß macht“, sagte Melanie.
Nachdem Jule ihre Seite gelesen hatte, schaltete Melanie das Licht aus. Und Bernhard und Melanie gingen zurück in das Wohnzimmer.
„In die Schule wäre ich auch gerne gegangen“, sagte Melanie leise. Sie setzte sich auf das Sofa und zog die Beine hoch.
„Wenn mir damals jemand gesagt hätte, er gehe gern in die Schule, hätte ich gedacht, der spinnt.“
„Ich hatte vor den Arbeiten immer soviel Angst, dass ich Bauchschmerzen bekam.“ Melanie verzog ihr Gesicht. Selbst die Erinnerung schmerzte noch.
„Vor den Arbeiten habe ich tagelang gebüffelt und dann doch nur Dreien und Vieren geschrieben.“ Bernhard schüttelte den Kopf.
„Und trotzdem ist nichts hängengeblieben. Und Jule lernt so spielerisch. Was sie sich in den vier Jahren schon alles angeeignet hat.“
„Sie arbeitet richtig wissenschaftlich“, meinte Bernhard. Er lehnte sich bequem im Ohrensessel zurück.
„Dabei kann sie sehr gut lesen, schreiben und rechnen.“
„Und geht so gerne zur Schule. Stell dir vor, wir müssten sie jeden Tag dahin zwingen. Welche Kraft würde das kosten.“ Bernhard schüttelte nachdenklich den Kopf.
„Wie gut, dass sie einen Schlussstrich gezogen und die gesamte Schule umorganisiert haben“, seufzte Melanie. Sie schenkte Wein in die Gläser.
„Wenn wir immer noch die Halbtagsschule hätten...“
„...könnte ich nicht so qualifiziert arbeiten, sondern höchstens halbtags im Supermarkt Waren packen oder etwas Ähnliches.“
„Und Jule könnte nicht nebenbei noch so viele Hobbys betreiben.“
„Meine Mutter ist immer ganz neidisch auf mich.“
„Ja, der internationale Druck hat damals viel in Bewegung gesetzt.“
Bernhard hob sein Weinglas. „Auf Jule und ihre Schule.“

© Aileen O‘Grian

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