Autorin von Science Fiction und Fantasy
9. August 2012
Gesa ließ den Wagen vor dem Grundstück ausrollen, stellte den Motor aus und blickte lange in den vernachlässigten Garten. Schließlich stieg sie aus und öffnete die quietschende Gartenpforte. Unter dem Flieder blühten Maiglöckchen. Gesa schüttelte sich, als sie den Geruch wahrnahm. Großtante Hertas Lieblingsparfüm.
Das Haus musste dringend renoviert werden. Ihre Mutter war in den letzten Jahren zu krank gewesen, um sich darum kümmern zu können. Und Gesa hatte in Kalifornien studiert und gearbeitet. Ihre Besuche daheim hatte sie immer so kurz wie möglich gestaltet.
Sie schloss die Haustür auf. Das Haus roch muffig, da es wochenlang nicht mehr gelüftet worden war. Gesa lief von Raum zu Raum und riss überall die Fenster auf.
Im Wohnzimmer ließ sie ihren Blick über die 70er Jahre Anbauwand gleiten. Ihre Großeltern hatten kurz nach ihrer Geburt das Haus von einer Großtante geerbt und renoviert. Das Wohnzimmer und die Küche hatten sie komplett neu eingerichtet. Dann fing ihr Großvater an zu trinken und die restliche Arbeit blieb liegen.
Sie schüttelte sich, holte ihre Reisetasche aus dem Auto und bezog das Bett in ihrem Mädchenzimmer neu. Ein paar Tage würde sie es schon aushalten.
Anschließend begann sie im Schlafzimmer ihrer Eltern mit der Arbeit. Sie räumte den Schmuck ihrer Mutter in einen leeren Koffer vom Dachboden. Die Kleider stopfte sie in einen Altkleidersack. Gleich morgen würde sie die Nachbarin fragen, wann der nächste Abholtermin wäre. Trotz des offenen Fensters bekam sie kaum noch Luft. So war es ihr in den letzten Jahren hier immer ergangen. Aber diesmal war es schlimmer, weil sie allein im Haus war.
In der Nacht schreckte sie hoch. Sie hatte Schritte gehört. Zitternd lag sie im Bett und lauschte. Als sie nichts hörte, nahm sie ihren Mut zusammen und stand auf. Sie schaltete das Licht an und durchsuchte das ganze Haus. Nichts, es war wohl nur ein Alptraum gewesen. Trotzdem hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden.
Drei KurzgeschichtenGesa fühlt sich nach dem Tod ihrer Mutter in dem geerbten Haus nicht wohl. Es birgt zu viele traurige Erinnerungen.Nicole hat einen rabenschwarzen Tag erwischt. Was ist bloß mit