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aileenogrian.overblog.com

Autorin von Science Fiction und Fantasy

Kriegspläne

Der Bote drängte sich durch die Ritter im Saal bis er vor dem Thron des Königs stand. "Die Wäter sind in das Salztal eingedrungen. Sie haben die Männer überrascht und gefangengenommen", berichtete er atemlos. Von dem anstrengenden Ritt war er noch verschwitzt und dreckig.
"Immer die Wäter." Siegward ballte die Fäuste und zog die Augenbrauen zusammen. "Ich werde sie lehren, was es heißt, uns anzugreifen. Conrad, ruf die Männer zusammen. Wir brechen morgen nach Sonnenaufgang auf."
"Herr, wäre es nicht besser, zuerst mit den Ostländern zu verhandeln und sie als Verbündete zu gewinnen? In dieser Zeit können unsere Männer ihre Ausrüstungen ausbessern und Vorräte besorgen", schlug Conrad vor.
Siegward lief zum Fenster und schaute auf die Berge.
"Der Winter kommt bald. Viel Zeit haben wir nicht mehr."
Eine Weile blieb er am Fenster stehen, dann schickte er ein paar Vertraute als Gesandte an die Höfe der Ostländer. Anschließend rief er die Männer an die Waffen und ordnete an, Vorräte aus dem ganzen Land in das dunkle Tal nahe dem Salztal zu bringen.
Bevor er sich hinlegte, besuchte er noch seinen Wahrsager.
"Adalmar, schau in die Zukunft", befahl er.
Der weißhaarige Alte setzte sich an seine Kristallkugel. Siegward beobachtete ihn unruhig. Entsetzen bereitete sich über Adalmars Gesicht aus.
"Was ist?", fragte Siegward.
Adalmar winkte ihn heran. Siegward schaute in die Kugel. Er sah seine Burg Adlerhorst brennen. Menschen schrien, zwei Frauen brannten lichterloh. Andere flüchteten. Fremde Krieger verfolgten und erschlugen sie. Das Dorf zu Füßen der Burg war zerstört. Verkohlte Holzpfosten ragten in den Himmel. Städte, Dörfer, sein ganzes Reich lag vernichtet vor ihm. Siegward atmete hastig.
"Und die Wäter?"
Adalmar fuhr mit der Hand über die Kugel. Das Wäterreich erschien. Auch dort sah Siegward ausgelöschte Dörfer, verbrannte Felder.
"Die Ostländer?"
Die Burgen der Ostkönige waren ebenfalls zerstört. Siegwards Augen wurden groß. Fest presste er die Lippen aufeinander, schob das Kinn vor.
"Nach dem Krieg gibt es die alten Reiche nicht mehr. Die meisten Einwohner sind tot. Dörfer und Burgen verbrannt", sagte Adalmar.
"Wie kann ich das verhindern?"
Adalmar schloss die Augen. Dann öffnete er sie wieder, schwang seinen Zauberstab und flüsterte eine Zauberformel.
In der Kugel erschien Burg Adlerhorst. Zu ihren Füßen lag eine Stadt. Mit einer großen Mauer, vier Stadttoren und mehreren Zwingern. Auf den Straßen und Plätzen herrschte lebhaftes Treiben. Händler in fremdländischen Trachten verkauften ihre Waren.
Auch bei den Wätern und in den Ostländern waren Städte entstanden, und es herrschte sichtbarer Wohlstand.
Lächelnd sah Siegward in die Kugel.
"Was muss ich machen?", fragte er.
Adalmar schaute ihn an. Das Bild in der Kugel verblasste.
"Verhandle mit den Wätern. Schließe mit ihnen und den Ostländern einen Vertrag. Gib dem jungen Wäterkönig außerdem deine Tochter zur Frau. Lass dir als Brautpreis das Salztal zurückgeben. Aber versprich ihnen einen Zehnt von dem Salz. Auch den Ostländern versprich einen festen Teil zu einem festen Preis, damit das Bündnis dauerhaft wird."
Siegward ließ es sich durch den Kopf gehen. Dann nickte er.
"Du hast Recht, Adalmar. Die größten Siege erringen wir mit unserem Verstand und nicht mit dem Schwert."

© Aileen O‘Grian

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