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Autorin von Science Fiction und Fantasy

Der Pitbull auf dem Spielplatz

Erschrocken sah Katrin, wie ein Pitbull bellend auf ihren kleinen Sohn zusprang. Noch nie in ihrem Leben war sie so schnell gerannt. Hastig riss sie Henrik hoch und hob ihn auf den Kletterturm. Dabei rutschte ihr die Handtasche von der Schulter und blieb im Sand liegen. Im letzten Augenblick zog sie sich nach oben, bevor der Hund die Leiter erreichte und immer wieder an ihr hochsprang. Knurrend fletschte er die Zähne.

Henrik weinte laut und auch Katrin, die ihn an sich drückte, zitterte vor Angst.

„Können Sie Ihren Hund anleinen?“, bat sie den Besitzer mit belegter Stimme und versuchte tief ein- und auszuatmen.

„Warum? Er tut niemanden etwas und braucht Auslauf“, bollerte der Mann los. Sein rundes Gesicht lief rot an.

„Aber doch nicht in der Nähe eines Kinderspielplatzes.“ In ihrer Phantasie sah Katrin ihren kleinen Jungen blutüberströmt vor sich liegen.

„Ich lasse ihn da laufen, wo ich Lust habe. Schreien Sie doch nicht gleich los, nur weil es ein Pitbull ist.“ Der Mann spuckte in den Sandkasten.

„Leinen Sie bitte Ihr Tier an, damit wir hier weg können“, bat Katrin. Sie drückte Henriks Kopf an ihre Schulter und strich über seine Haare.

„Kommen Sie runter, der tut nichts, stellen Sie sich nicht so an“, antwortete der Mann und lachte spöttisch.

„Wenn Sie ihn nicht sofort wegnehmen, zeige ich Sie an“, drohte Katrin, dabei versuchte sie, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben. Warum hatte sie ihr Handy nicht, wie sonst, in die Hosentasche gesteckt? Jetzt lage es für sie unerreichbar im Sand. Sie ärgerte sich über sich selbst.

Der Hund bellte laut, sobald sie sprach, und sprang wieder an der Leiter hoch. Ängstlich verkroch Katrin sich mit Henrik in die hinterste Ecke. Sie konnten doch nicht den ganzen Tag auf dem Turm zubringen.

„Bitte, Sie wollen doch deswegen keinen Ärger mit der Polizei“, schmeichelte sie.

„Halt endlich die Klappe!“ Der Mann zog einen Revolver aus der Tasche und richtete ihn auf Katrin. „Gleich bist du still“, grollte er und spannte den Hahn.

Katrin spürte ihren trockenen Mund, ihr wurde übel. Spielplatz und Bäume drehten sich vor ihren Augen. Entsetzt schloss sie die Lider. Warum erschoss der Mann nicht seinen Köter? Bildhaft stellt Katrin sich vor, wie der Mann seine Waffe auf den Hund richtete und abdrückte.

Ein lauter Knall ließ Katrin zusammenzucken. Sie riss die Augen auf. Henrik schrie in höchsten Tönen. Vor dem Turm lag der Hund und rührte sich nicht mehr. Der Mann sah erstaunt auf seine Waffe, dann schleuderte er sie fort und beugte sich über den Hund.

Leise sprang Katrin hinunter, nahm Henrik auf den Arm und rannte weg.

©Aileen O‘Grian

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