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aileenogrian.overblog.com

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Autorin von Science Fiction und Fantasy

Veröffentlicht am von Aileen O'Grian
Veröffentlicht in : #Fantasy, #Rowan, #Abenteuer

Die Rowan Reihe entwickelt sich weiter. Inzwischen ist der dritte Band erschienen.

"Rowan -Verrat im Ostreich" gibt es bei Amazon, Thalia, Weltbild, Hugendubel und bei Bücher.de als E-Book oder Taschenbuch.

 

Der jugendliche Magier Rowan ist mit seinem Freund Ottgar, dem Thronfolger des Magierreiches, ins Ostreich gezogen. Während Ottgar auf der Burg von König Kustin zum Ritter ausgebildet wird und am Hofleben teilnimmt, sitzt Rowan häufig in der Kammer seines Meisters und studiert in alten Schriften. Die beiden Magier müssen unbedingt ein Heilmittel gegen die Klauenfäule finden.
Noch nie in seinem Leben fühlte Rowan sich so unwohl, da Magier im Ostreich verachtet werden. So werden Rowans Warnungen vor Angriffen der Trolle und Zwerge auch nicht ernst genommen. Selbst als er eine Seuche, die die Bewohner der Königsburg und die Bauern aus der Umgebung heimsucht, erfolgreich bekämpft, steigt sein Ansehen kaum. Auch Ottgar, der unter dem Einfluss der ostianischen Prinzen steht, ist ihm fremd geworden – und sogar die Gefahr eines Aufstandes im Ostreich scheint seinen Freund nicht zu interessieren, bis es fast zu spät ist.

Rowan - Verrat im Ostreich

(...)

Am Abend wollte die Gesellschaft in einem Tal an einem Bergsee rasten, die ersten Pferde waren längst abgesattelt, als Rowan eintraf. Er fühlte sich an diesem Ort sofort unwohl und ritt weiter zum König.

„Majestät, ich bitte um Gehör.“

„Was will mein kleiner Magier mir sagen?“

„Der Ort ist unheilvoll. Bitte übernachtet hier nicht.“

„Aber wir brauchen Wasser für die Pferde!“, fuhr ihm ein Ritter über den Mund.

„Ich weiß“, Rowan nickte. „Tränkt sie, füllt Eure Trinkbeutel und sucht anschließend einen sicheren Ort für die Nacht.“

Kustin mustere ihn. „Schade, dass Wudon erst später hinterherkommt, sein Rat wäre jetzt hilfreich. Aber Bunduar hat seine Könige schon öfter vor Unheil gerettet, und alle Nachbarn beneiden Schwager Wilhar um diesen Magiermeister. Und du giltst als sein hoffnungsvoller Erbe …“ Er schwieg eine Weile und befahl dann: „Wir reiten weiter.“

Rowan dankte ihm. Nachdem er Scharus getränkt hatte, saß er auf und ritt voran. Der Weg führte durch eine schmale Schlucht. Besorgt musterte er die Felsen über sich, ohne etwas Beunruhigendes zu entdecken. Nur das ungute Gefühl dauerte an. Endlich weitete sich das Tal und es ging bergauf. Oben gab es ein Plateau. Groß genug für die ganze Gesellschaft. Die Berge im Norden schirmten es von den Winden ab. Hier hielt Rowan an und saß ab.

Die Ritter und Knechte murrten, weil sie nicht am See rasteten, doch nach einem Machtwort von Kustin beeilten sie sich, die Zelte aufzubauen. Rowan spannte nur eine Plane zwischen seiner Lanze und dem Stock des jungen Burschen. Zu zweit war die Kälte zu ertragen.

Einige Knechte entfachten mehrere Feuer, brieten Fleisch und backten Stockbrot darüber. Rowan schlenderte durch das Lager und beobachtete die Leute. Die Stimmung war schlecht. Alle waren müde und das Wasser fehlte. Aber es fehlte nicht nur das Wasser. Rowan entdeckte besorgt, dass Herzog Vlotan, ein Großcousin des Königs, mit seinem Gefolge zurückgeblieben war. Er schwieg dazu, er war nur ein kleiner Magierlehrling und hier nicht besonders angesehen, obwohl seine Großmutter Wilanin eine ostianische Prinzessin gewesen war und sein Großvater für seine Voraussagen bekannt war.

Der Morgen graute noch lange nicht, als sie von lauten Rufen geweckt wurden. Eine Gruppe Reiter kam auf erschöpften Pferden angeritten und berichteten von einem Überfall. Mitten in der Nacht, als sie schliefen und nur zwei Männer Wache hielten, hatten bewaffnete Trolle sie überfallen. Ungerüstet hatten die Ritter nach ihren Schwertern und Lanzen gegriffen und versucht, sich im Dunkeln so gut es ging zu verteidigen.

„Rowan ist schuld“, murrten ein paar Männer.

„Bevor wir hier Schuldzuweisungen machen, sollten wir unseren Kameraden zu Hilfe eilen“, schlug Jatain vor.

„Das wird vergebens sein. Als wir flohen, lagen die anderen längst erschlagen auf der Erde.“

Rowan spürte, dass sie logen, aber wer sich bis jetzt von Herzogs Vlotans Leuten nicht in Sicherheit gebracht hatte, wäre inzwischen bestimmt tot. Warum hatten sie nicht auf ihn gehört? Stattdessen wurde er nun als Verursacher verunglimpft. Am liebsten wäre er auf sein Pferd gesprungen und heimgeritten, wo er nötiger gebraucht wurde als hier. Dort war er sogar als Kind angesehen gewesen.

„In zwei Stunden wird es hell, dann kommen wir schneller voran. Legt euch wieder hin und ruht euch bis dahin aus“, befahl König Kustin.

Die Männer befolgten seine Anweisung. Trotzdem hörte Rowan überall leise Stimmen. Er selbst konnte auch nicht schlafen. Hätte er die Ostianer retten können? Er grübelte, doch es hatte keinen Sinn. Er hatte eine Bedrohung gespürt, nur nicht gewusst, woher sie kam. Die seherischen Fähigkeiten seiner Mutter waren bei ihm nicht so stark ausgeprägt.

Am Morgen, lange bevor die Sonne aufging, rief der König ihn zu sich. „Warum hattest du uns gewarnt, an der Quelle zu nächtigen?“

Rowan zuckte die Achseln. „Ich habe eine große Gefahr gefühlt. Eine fremde Macht, die verärgert über unsere Anwesenheit war. Aber ich habe nicht vorhergesehen, was passieren würde. Aus taktischer Sicht war der Ort eine Falle. Rundherum Berge, im Kampf kann man nicht ausweichen und es gibt nur zwei Zugänge, durch die man schlecht fliehen kann.“

„Die sich dadurch gut bewachen lassen.“

Rowan schüttelte den Kopf. „Nein, von den Felswänden können sich Männer herablassen.“

„Du widersprichst deinem König?“, fuhr Kustin auf.

Rowan schwieg eine Weile. Schließlich meinte er: „Was wollt Ihr? Magier, die Euch in allem Recht geben, oder Magier, die ihre Meinung frei äußern und Euch mit ihren Fähigkeiten unterstützen.“

„Du sprichst reichlich unbekümmert!“, murrte der Waffenmeister des Königs. Er griff mit der Rechten nach dem Schwert. „Du bist ein Günstling König Wilhars. Kein Wunder, dass Du so verzogen bist.“

Rowan hütete seine Zunge. So unfreundlich war er noch nie behandelt worden. Selbst in Llyllia hatten sie ihn freundlich aufgenommen. Und ausgerechnet bei den Verwandten im Ostland schlug ihm Ablehnung entgegen.

(...)

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