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Autorin von Science Fiction und Fantasy

Leseprobe: Reinigungsaufgaben - Das Urteil

Der Richter schaute mich streng an. Selbst mein Geständnis schien ihn nicht milder zu stimmen. Dabei: Was war schon groß daran, etwas dreckiges Wasser ins Meer zu leiten? Bei der großen Menge im Ozean fielen doch so ein paar Kubikmeter gar nicht auf.

„Im Namen des Gesetzes verurteile ich Sie hiermit zu fünf Jahren Zwangsarbeit im Meeresklärwerk“, verkündete er.

Meine Beine gaben nach, haltsuchend griff ich an den Tisch. Die Höchststrafe! Er hatte mich zur Höchststrafe verurteilt. Wegen so einer Bagatelle!

„Herr Czynzek, hören Sie mich?“, fragte mein Anwalt.

Benommen nickte ich.

„Geht es Ihnen nicht gut?“

„Bei so einer Strafe?“, fragte ich fassungslos.

„Wir gehen in Berufung. Beim nächsten Gericht haben Sie einen anderen Richter, einen milderen. Herr Lautbeißer ist für seine Strenge bekannt.“

Leider riet mir mein Anwalt eine Woche später davon ab. Inzwischen war ein neues Gesetz erlassen worden und Umweltvergehen wurden noch strenger als vorher bestraft.

„Kapitän, sobald Sie entlassen werden, melden Sie sich bei mir. Ich helfe Ihnen dann bei der Resozialisierung und der Arbeitssuche“, versprach er mir. Dann ging er, und ich blieb im Gefängnis. Morgen sollte ich in das Klärwerk Nord-Atlantik gebracht werden. Es liegt auf dem 10 Längen- und dem 70 Breitengrad im Atlantik und ist nur mit einem Schiff zu erreichen. Meine Frau und meine Kinder würde ich fünf Jahre lang nicht mehr sehen. Dabei hatte ich nur ihretwegen das Bilgewasser ins Meer abgepumpt! Hätte ich es nicht getan, hätte mein Reeder mich entlassen. Bei jungen Offizieren duldeten sie das kostenintensive Abpumpen im Hafen in Reinigungstanks, aber die älteren, die nicht mehr als so leistungsfähig gelten, müssen die Kosten auf ihren Schiffen ins Unmögliche senken, um nicht arbeitslos zu werden.

Von der Zelle des Transportschiffes wurde ich durch eine Gangway in das mehrstöckige Klärwerk gebracht. Von dort ging es mit Gefängniswärtern den Aufzug abwärts. Immer weiter, immer tiefer. Als die Aufzugtür aufging, stießen mich die beiden wortlos heraus, weiter durch endlos lange, dunkle Gänge.

In einem Waschraum musste ich duschen, dann schor ein Gefangener in einem blauen Kittel und einer blauen Hose mich kahl. Ein anderer drückte mir blaue Gefängniskleidung in die Hand und Plastiklatschen.

„Na wird’s bald. Dalli, dalli“, trieb der eine Wächter an.

Sobald ich angezogen war, stieß er mich weiter bis in eine Kajüte, pardon, eine Zelle. An jeder Wand befanden sich zwei Pritschen hintereinander, je drei übereinander.

„Dort hinten“, sagte ein Wärter und zeigte auf die linke Ecke. Die Koje war also für mich bestimmt. Eine dünne Wolldecke lag auf ihr.

Mein Handtuch, die Seife und die Zahnbürste legte ich auf das Brett über dem Bett, dann musste ich meinen Arbeitstrupp aufsuchen.

„Kalle, dein Neuzugang, Kapitän Czyncek. Kalle leitet den Trupp. Er kennt sich hier bestens aus, er ist seit zwanzig Jahren hier“, damit übergaben die Wärter mich und verschwanden.

„Was soll ich mit so einem Alten hier? Immer schicken sie uns die alten Knacker“, meckerte Kalle laut hinter den Wärtern her.

„Kalle war Leichtmatrose und musste auf Geheiß seines Kapitäns die Tanks auf See reinigen“, raunte mir ein Uralter zu.

„Hast du wenigstens Muckis?“ Kalle griff prüfend an meine Oberarme. Ich versuchte die Muskeln so locker wie möglich zu halten. Sollte mich Kalle ruhig unterschätzen.

„Wieder so ein Schlappschwanz“, war sein Kommentar.

„Peter, nimm den Käpten mit“, befahl er.

Peter hieß der Uralte. Ich folgte ihm, wir krochen durch einen schmalen Schacht.

„Die Reißanlage ist verstopft, wir müssen wie bei einem Rasenmäher die Verstopfung beseitigen“, erklärte er mir.

Am Ende des Schachtes öffnete er eine Klappe und kroch hindurch. Wir befanden uns zwischen rasiermesserscharfen Messern.

„Verletz’ dich bloß nicht“ warnte Peter mich.

Wir krochen vorbei an den Häckselmessern, bis wir einen Müllstau fanden. Mit Harken lösten wir den Müll. Peter griff mit Lederhandschuhen geschützt in die Klingen und bewegte sie hin und her. Sie waren leichtgängig.

„Schnell zurück“, rief er und beeilte sich, die Luke zu erreichen. Ich hetzte hinterher.

Wir hatten die Tür noch nicht verriegelt, als die Maschinen wieder liefen.

„Du musst sehr aufpassen und ganz schnell zurück sein, sonst zerhacken die dich. Die warten nicht, ob die Arbeitskräfte wieder in Sicherheit sind. Die haben genug Gefangene hier, ein paar mehr oder weniger macht nichts aus, Käpten.“

„Ich heiße Robert. Hier habe ich keinen Rang“, stellte ich mich vor.

Peter grinste mich an. „Die Offiziere sind bei uns in der Überzahl.“

„Kein Wunder, die tragen auch die Verantwortung und werden zur Rechenschaft gezogen.“

„Ich bin Peter Christiansen, war früher leitender Ingenieur auf einem Handelsschiff und seit drei Jahren hier.“

„Warum ist Kalle schon so lange hier?“

„Na ja, zu den Umweltsünden kam noch eine Schlägerei mit Todesfolgen und hier hat er auch schon einen Aufstand angezettelt und einen Aufseher umgebracht.“

„Oh nein“, entfuhr es mir.

„Doch, und Offiziere mag er nicht, die schindet er besonders.“

Das waren ja schöne Aussichten. Später erfuhr ich, dass Peter erst Ende vierzig war, sechs Jahre jünger als ich. Dabei sah er aus wie siebzig. Alterten hier alle so schnell?

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