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Autorin von Science Fiction und Fantasy

Unvergessliche Halloweenparty

Mona wählte aus dem Haufen orangefarbener Kürbisse den schönsten aus. Groß sollte er sein, aber nicht zu groß, gleichmäßig gewachsen, tadellose Oberfläche. Endlich war sie zufrieden. Dazu packte sie eine Reihe kleiner Zierkürbisse ein. Endlich bezahlte sie.

Daheim machte sie sich gleich an die Arbeit. Sie säbelte, mehr schlecht als recht, oben einen Deckel ab, dann höhlte sie ihn aus. Es war schwieriger als gedacht. Mehrmals schnitt sie sich und war froh, hinterher noch alle Finger zu besitzen. Endlich war das Fruchtfleisch draußen und sie konnte mit der eigentlichen Arbeit beginnen: Erst malte sie mit einem Marker vor, dann schnitt sie mit einem Teppichmesser ein Gesicht hinein. Zufrieden lehnte sie sich zurück und betrachtete es. Ja, es war wirklich gelungen.

Mit dem Fruchtfleisch kochte sie eine Suppe. Ihr größter Topf reichte nicht aus, sie musste den zweitgrößten dazu nehmen. Mit allerlei Gewürzen und Sahne versuchte sie dem Ganzen etwas Geschmack zu geben, was ihr nicht so recht gelang. Aber das störte sie nicht. Die Suppe war sowieso für ihre Gäste gedacht. Hauptsache, die wurden satt.

Am nächsten Nachmittag dekorierte sie mit Franzis Hilfe ihre Wohnung. Die Glühbirnen tauschten sie gegen schwächere aus. Franzi hängte Spinnennetze und Kürbislichterketten an die Decke und über die Schrankwand. Mona legte die kleinen Zierkürbisse auf die Fensterbank und die Kommode. Den ausgehöhlten Kürbis stellten sie auf den Balkon und gaben eine dicke Friedhofskerze hinein, die würde lange genug brennen. Dann schlossen sie die Tür. Bei der Kälte würde keiner hinausgehen wollen.

Kurz bevor die Gäste kamen, zogen sie sich um. Mona kostümierte sich als Skelett. Der Abend wurde ein voller Erfolg. Alle waren fröhlich und ausgelassen. Es wurde getanzt und gelacht und sogar die schreckliche Suppe wurde bis auf den letzten Rest gegessen.

Gegen Mitternacht kam der Vampir Jonas auf Mona zu. „Ich brauche frisches Blut!“, sagte er mit einer gruseligen Stimme, fasste an ihre Schultern und zog sie heran.

„Bei mir ist nichts mehr zu holen. Halte dich an andere“, erwiderte Mona. In dem Moment klopfte es an der Balkontür.

Mona schaute hin. Vor der Tür standen ein wirkliches Gerippe mit einer Sense in der Klaue und daneben ein Vampir mit spitzen Eckzähnen. Blut tropfte an seinem Kinn hinunter.

„Die sehen toll aus. Wer ist das?“, fragte Jonas die erstarrte Mona.

„Wie ... wie, kommen die ... in achten Stock?“, krächzte Franzi tonlos.

©Aileen O‘Grian

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