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Autorin von Science Fiction und Fantasy

Gehirndoping

„Harald, wenn Sie weiterhin ihre Nahrungsergänzungsmittel in nicht ausreichender Menge einnehmen, müssen wir Sie von der Arbeit freistellen. Ihre Leistungsfähigkeit wird auf ein nicht vertretbares Niveau sinken. Aber auf den Obstplantagen werden noch immer Pflücker gesucht, da die Maschinen nicht sämtliche Früchte erfassen.“

Harald schluckte. Seine Firma hatte die optimale Nutzung der menschlichen Ressourcen als ihr Motto ausgegeben. „Ich nehme doch schon fünf verschiedene Tabletten.“

Herr Mint, sein Chef, und der Personalmanager, Dr. med. Suhr, zeigten auf eine Stelle in den Laborwerten. „Sie nehmen nicht genug von den Amphetaminen, die die Gehirnleistungen voll abrufbar machen. Und ein paar Dopamine mehr würde sie motivierter arbeiten lassen.“, sagte Herr Mint.

„Und bei den Schlafmitteln könnten Sie auch eine höhere Dosierung vertragen. Sie schlafen nur sechs Stunden, dass ist zu wenig. Bei ihren physiologischen Daten müssten Sie sechseinhalb Stunden schlafen.“

„Aber Sie haben mir diese Dosierung doch selbst verordnet.“

„Ja, vor einem Jahr. Zur Zwischenuntersuchung sind Sie aber nicht gekommen.“

„Da war ich in Hongkong.“ Harald unterdrückte gewaltsam das Verlangen, seine Augen zu reiben. Er litt noch immer unter dem Jetlag, da er erst gestern aus Taipeh zurückgekommen war.

Dr. Suhr schob Harald ein Rezept über den Schreibtisch. Die Dosieranweisung stand auf einem extra Zettel.

„Ich will jetzt jeden Tag eine Urin- und Blutprobe von Ihnen haben.“

Harald zog die Augenbrauen hoch, so dass sich auf seiner Stirn Falten bildeten.

„Sie gehen seit ein paar Wochen nicht mehr auf die Firmentoilette, so dass mir Ihre Daten fehlen.“

„Ich war in Taiwan.“

Dr. Suhr schüttelte den Kopf. „Auch vorher schon.“

„Entschuldigung, ich bin mit ein paar Geschäftsfreunden ins Restaurant gegangen.“

„Dann sorgen Sie dafür, dass wir die Untersuchungsergebnisse Ihrer privaten Toilette zugeschickt bekommen.“

Harald lief rot an, aber er nickte. Schließlich liebte er seinen Job als Chefdesigner des europaweiten Chipherstellers.

Sobald er am Abend daheim war, programmierte er seine Toilette, so dass seine Labordaten sofort an den medizinischen Computer von Dr. Suhr geschickt wurden.

Pia stand in der Tür und beobachtete ihn. „Willst du dich wirklich mit all diesen Drogen zudröhnen?“

Harald seufzte. „Du nicht auch noch. Soll ich denn meinen Job verlieren?“

„Besser, als wie ein Zombie rumzulaufen. Außerdem bin ich immer noch nicht schwanger und ich möchte ein gesundes, ungedoptes Kind.“

©Aileen O’Grian

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