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Autorin von Science Fiction und Fantasy

Das geerbte Haus

Neugierig schaute sich Annalisa um. Hoffentlich steckte ihr Wagen nachher nicht im Schlamm fest. Der große Garten war verwildert und nach dem vielen Regen der letzten Zeit völlig nass.

So groß hatte sie sich das alte Haus nicht vorgestellt. Sie hatte immer gedacht, ihre Großmutter übertrieb, wenn sie von ihrem Elternhaus erzählte, aber es war wirklich ein Herrenhaus. Und jetzt gehörte es Annalisa. Sicher war es so morsch, dass sie es nur noch abreißen konnte. Aber bevor sie es dem Makler überließ, wollte sie es sich wenigstens einmal anschauen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet drang Annalisa in das Haus ein. Modrig roch es. Annalisa schauderte. Sie fühlte die Gegenwart eines anderen.

„Ist hier jemand?“, rief sie mit belegter Stimme. Aber niemand antwortete. Die Stille war drückend. Vorsichtig schaute Annalisa sich um. Küche, Salon, Esszimmer. Dann stieg sie die Treppe hoch. Generationen waren diese Stufen hochgestiegen, und sie wollte es verscherbeln. Mit einem lauten Krachen brach die Stufe unter ihrem Fuß, und sie stürzte die Treppe herab. Benommen blieb sie unten liegen. Ihr Fuß schmerzte höllisch.

Annalisa versuchte sich aufzurichten, mit einem Aufschrei sank sie wieder zusammen. Wie kam sie hier weg? Ihr Handy. Mit fahrigen Fingern suchte sie ihr Telefon, dann wählte sie Daniels Nummer. Nichts. Das Handy war tot. Sie befand sich in einem Empfangsloch.
Zitternd kauerte sie sich zusammen. Wann würde Daniel sie vermissen? Wie lange musste sie hier ausharren? Eine große, furchteinflößende Gestalt näherte sich. Altmodisch gekleidet und mit Vollbart. Annalisa erinnerte sich an die Fotos ihrer Großmutter.

„Wer bist du, dass du unser Haus verkaufen willst. Verachte deine Herkunft nicht“, knurrte er.

Ein Knacken vertrieb die Gestalt. Energische Schritte näherten sich.

„Hilfe“, rief Annalisa mit piepsiger Stimme.

„Tut mir leid Schatz, dass ich nicht rechtzeitig da war“, sagte Daniel.

©Aileen O‘Grian

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