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aileenogrian.overblog.com

Autorin von Science Fiction und Fantasy

Auto mit Autopilot

Ich war eine der ersten, die ein selbstfahrendes Auto erhielten.

„Spinnst du?“, fragte Nadine, meine beste Freundin.

„Warum? Ich bin froh, nicht mehr selbst fahren zu müssen.“

„Du lieferst dich einer Maschine völlig aus.“

„Diese Prototypen sind doch noch gar nicht ausgereift“, warf ihr Mann Tobi ein.

„Schlimmer als meine Fahrkünste kann es auch nicht sein.“ Ich grinste schwach, als ich an die Beinahunfälle und die drei echten Crashs, die ich verursacht hatte, dachte. Von den vielen Beulen beim Einparken gar nicht zu sprechen.

Wenn ich nicht aufs Auto angewiesen wäre, weil wir so ländlich wohnen und die Bahnreformen erst unsere Bahnstrecke, etwas später dann den Schienenersatzverkehr wegrationalisiert hatten, wäre ich nicht mehr in den Wagen gestiegen. Doch so blieb mir nichts anderes übrig, da es keinen bezahlbaren Wohnraum in der Stadt mehr gab und sich auch mein ganzes soziales Umfeld in meinem Heimatdorf befand.

„Aber wenn der Rechner ausfällt, kannst du nicht mehr eingreifen.“

„Das konnte Jana auch nicht.“ Wieder fühlte ich den Klumpen im Bauch. Meine kleine Schwester Jana war auf der Rückfahrt von einem Diskobesuch tödlich verunglückt. Ihr Freund war alkoholisiert mit überhöhter Geschwindigkeit von der Straße abgekommen und gegen einen Baum gefahren. Er selbst war nur leichtverletzt gewesen.

Meine Freunde schafften es, mir nicht nur die Freude, als eine der wenigen Versuchsteilnehmer ausgewählt worden zu sein, zu vergällen, sondern mir mit ihrer Unkerei auch noch Angst zu machen.

„Unser Versuchskaninchen“, redete Tobi mich nur noch an und Franzi spottete: „Du weißt, überlebende Versuchstiere werden eingeschläfert.“

Demzufolge schluckte ich vor meiner ersten Fahrt Beruhigungsmittel. Prompt programmierte ich den Autopiloten falsch und kam eine Stunde verspätet zur Arbeit, nachdem ich die Hotline um Hilfe gebeten hatte.

Mein Chef grinste nur. „Hauptsache, heil angekommen.“

Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und fühle mich sicher. Es ist einfach herrlich. Das Auto chauffiert mich zur Arbeit und ich stehe eine Stunde später auf. Duschen, anziehen, Vesperpaket einpacken. Im Auto frisiere und schminke ich mich. Anschließend frühstücke ich in Ruhe und lese die Zeitung. Manchmal arbeite ich schon, skype oder spiele mit Freunden Schach oder Siedler.

Am schönsten ist es, wenn das Auto selbst einparkt. Seit ich diesen Prototypen benutze, gab es nicht eine einzige Beule.

Ach ja, Tobi hat sein Auto vor drei Tagen zu Schrott gefahren. Nur ein Auffahrunfall, trotzdem Totalschaden. Gestern musste ich ihn deshalb mitnehmen, damit er zur Arbeit kam.

©Aileen O‘Grian

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